Nach einer sehr langen Geburt wurde Anna* per Kaiserschnitt zur Welt gebracht, nachdem sich ihre Herztöne während der Pressphase verschlechtert hatten. Obwohl sie reif war, wog sie nur 2.060 Gramm. Die Ursache für das Untergewicht ist bis heute ungeklärt.
Anna ließ sich von Anfang an nicht – weder in die Wiege noch auf den Boden - ablegen. Wir konnten sie nicht einmal auf dem Schoß halten – sie wollte in ständiger Bewegung bleiben. Wir trugen sie den ganzen Tag und sie schlief ausschließlich auf unserem Körper. Ihre Schreiattacken konnten weder durch Tragen noch durch Wiegen o.ä. gemildert werden. Auch in den Kinderwagen ließ sie sich gar nicht ablegen. Anna stand unter permanenter Anspannung. Dies zeigte sich neben dem Schreien auch noch darin, dass sie ihren Körper zu einem Bogen durchdrückte. Insbesondere vor dem Einschlafen schrie sie wie eine "Trillerpfeiffe".
Dieser Zustand änderte sich kaum merklich in den folgenden Monaten. Mit 5 Monaten ließ Anna sich nach wie vor nicht länger als 5 Minuten ohne zu schreien ablegen. Sie war auch immer noch nicht in der Lage, sich etwas länger zu beschäftigen. Nur durch Herumlaufen und Singen konnten wir sie inzwischen zumindest etwas beruhigen.
Das Schlafen funktionierte in dieser Phase entweder durch Tragen oder an der Brust im Liegen. Durch regelmäßiges Stillen (alle 2 Stunden) schaffte es Anna von ca. 20:00 Uhr bis ca. 5-6 Uhr Morgens zu schlafen. Tagsüber schlief sie zwischen 1-2 Stunden.
Mit 6 Monaten begannen wir die Klangtherapie bei Paola Tedde. In der ersten Sitzung weinte Anna fast die gesamte Stunde hinweg und konnte sich nicht entspannen und wirkte ganz abwesend. Im Laufe der folgenden Sitzungen wurden die Phasen, in welchen Anna nicht weinte immer länger und die Qualität des Schreiens/Weinens veränderte sich. Sie konnte sich auf die Klänge konzentrieren bzw. zeigte Interesse an den Instrumenten und den Klängen und fing an sich dabei zu beruhigen bzw. sie baute keine Körperspannung auf.
Diese Entwicklung zeigte sich auch im Alltag: Anna weinte vor dem Schlafengehen immer weniger lang und intensiv. Die Schlafphasen am Tage verlängerten sich. Ihren Körper drückt Anna inzwischen gar nicht mehr durch. Sie lässt sich ablegen und die Beschäftigungsphasen werden immer länger. Insgesamt wirkt Anna weniger angespannt und das hysterische Schreien ist fast ganz verschwunden. Nach 10 Stunden Klangtherapie kann ich Anna sogar auf den Schoß nehmen und sie kuschelt sich einfach an mich und ruht sich nach einer Spielphase aus. Sie schafft es Anspannung nicht mehr allein durch Schreien abzubauen. Insgesamt gesehen wirkt Anna jetzt viel gefestigter und präsenter.
Durch die Fortsetzung der Klangtherapie wollen wir versuchen, Anna weiter zu helfen loszulassen, damit sie irgendwann auch ohne fremde Hilfe in den Schlaf findet.
* Der Name wurde geändert.
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